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Deutsch · 2021 · B1 Erörterung
Hinweis: Bearbeiten Sie eine der 3 Aufgaben (B1/B2/B3)
Erörtern Sie, welche Argumente für und gegen ein Verbot von Feuerwerkskörpern sprechen (jeweils mindestens drei Argumente). Verwenden Sie den Text für Ihre Argumentation. Begründen Sie Ihre eigene Meinung. Formulieren Sie einen zusammenhängenden, gegliederten Text.
Debatte über Feuerwerk: Brauchen wir ein Böllerverbot?
Vor knapp einem Jahr kündigte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) an, ein Böllerverbot
in deutschen Großstädten mit hoher Feinstaubbelastung durchsetzen zu wollen -
notfalls auch auf dem Rechtsweg. Kurz vor Weihnachten klang die Organisation
schon etwas zurückhaltender: „39 Prozent der belasteten Feinstaub-Städte kommen
für Feuerwerk-Verbotszonen infrage." Städte wie Hamburg, München, Stuttgart
und Köln haben bereits Verbotszonen für private Silvesterknaller in der
Innenstadt angekündigt. Auch in Berlin sind Raketen und Böller in der
Silvesternacht von 18 bis 6 Uhr erstmals nicht nur entlang der Partymeile
am Brandenburger Tor untersagt, sondern auch auf dem nördlichen Alexanderplatz.
Die Polizei hat angekündigt, Feuerwerkskörper in den betroffenen Zonen notfalls
„mit Zwang" zu beschlagnahmen. In den letzten Jahren waren auf dem
Alexanderplatz und in Schöneberg wiederholt Rettungskräfte und Polizisten
mit Böllern beworfen worden.
Aus Umwelt- und Sicherheitsgründen befürwortet die Mehrheit der Deutschen
ein Verbot von Silvesterböllern. Eine repräsentative Umfrage des
Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 2.000 Teilnehmern im Auftrag des
„RedaktionsNetzwerk Deutschland" ergab: 57 Prozent sprechen sich für ein
Verbot aus, 36 Prozent dagegen, sieben Prozent sind unentschlossen.
Raketen, Böller und bunte Feuerwerksbatterien blicken auf eine lange
Geschichte zurück. Schwarzpulver wurde bereits vor über 1.000 Jahren in
China entwickelt. Im Mittelalter war es ausschließlich wohlhabenden Adligen
an ihren Höfen vorbehalten, die damit ihre Gäste bei Festen beeindruckten.
Erst im 19. Jahrhundert wurde es für die allgemeine Bevölkerung zugänglich.
In den letzten Jahren hat die Branche deutlich zugelegt: Wurden 2007 in
Deutschland noch 100 Millionen Euro für Feuerwerk ausgegeben, waren es 2017
schon 137 Millionen Euro. Der Verkauf ist dabei auf lediglich drei Tage vor
dem 31. Dezember beschränkt. Interessant wird sein, ob die aktuelle
Klimaschutzdebatte die diesjährigen Verkaufszahlen sinken lässt und
Hersteller wie Weco und Comet dadurch Umsatzeinbußen hinnehmen müssen - oder
ob Verbraucher das Thema für ein paar Minuten einfach verdrängen.
Nicht nur die eigene Rakete kann für den Anwender selbst gefährlich werden.
Jahr für Jahr berichten Medien von teils schweren Verbrennungen,
verstümmelten Händen und dauerhaftem Sehverlust. Ärzte betonen immer wieder,
dass all diese Verletzungen sowie die zahlreichen Noteinsätze vermeidbar
wären. Auch das Gehör kann durch Silvesterböller dauerhaft geschädigt
werden - die Knallkörper erreichen eine Lautstärke von bis zu 120 Dezibel.
Hinzu kommt die Belastung der Umwelt. Laut einer Pressemitteilung der DUH
entspricht die zum Jahreswechsel durch Feuerwerk freigesetzte Feinstaubmenge
16 Prozent der Menge, die der Straßenverkehr im gesamten Jahr verursacht.
Zum Vergnügen verschmutzen die Menschen dabei nicht nur die Luft zum Atmen,
sondern auch die Natur vor ihrer Haustür. Raketen und Böller gelangen
unmittelbar in die Umwelt und liegen dort teils monatelang.
Einige Händler verkaufen deshalb inzwischen keine Feuerwerkskörper mehr.
Andere verdienen weiterhin gut am Silvesterlärm: Bei einem Discounter kostet
in diesem Jahr ein sogenanntes Systemfeuerwerk mit 152 Schuss 50 Euro -
bei einer Brenndauer von etwas über zwei Minuten. [...]
Auch Tiere leiden unter dem Jahreswechsel: Hunde, Vögel und Waldtiere
erhalten vorher keine Warnung und finden häufig keinen Schutzort. In anderen
Ländern haben es Tiere leichter, weil dort deutlich leiser gefeiert wird:
In Spanien etwa treffen sich die Menschen um Mitternacht mit einer Tüte
Trauben und essen in den letzten zwölf Sekunden des Jahres genau zwölf
Trauben.
Gegen ein Verbot spricht letztlich vor allem ein Argument: das Verbot an
sich. Es wäre die letzte gesetzgeberische Maßnahme und würde gleichzeitig
in die persönliche Freiheit der Bürger eingreifen. Ein bundesweites
Böllerverbot gilt zudem als unrealistisch, trotz entsprechender Initiativen
und Petitionen. Realistischer erscheint, dass einzelne Städte und größere
Gemeinden über eigene Verbotszonen entscheiden.
Nach: Martin Franke: Debatte über Feuerwerk: Brauchen wir ein Böllerverbot? Im Internet unter: www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/silvester-brauchen-wir-ein-boellerverbot-16552841.html (aktualisiert am: 27. 12. 2019)
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